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Selbstständigkeit – Freiheit oder Druck

In dieser Folge sprechen Julia und Nina darüber, wie sich Selbstständigkeit auf ihr Leben ausgewirkt hat. Sie erzählen von Freiheit und Verantwortung, von Erwartungen und Druck – und darüber, warum dieselbe berufliche Entscheidung von jedem Menschen ganz unterschiedlich erlebt werden kann.

Darum geht es in dieser Folge

  • was bedeutet Selbstständigkeit für Julia und Nina?
  • welche Herausforderungen bringt der berufliche Weg mit sich?
  • wann wird aus Freiheit plötzlich Druck?
  • wie beeinflusst Selbstständigkeit das persönliche Leben und Beziehungen?

Transkript dieser Folge

Hinweis: Dieses Transkript wurde automatisch erstellt und zur besseren Lesbarkeit leicht überarbeitet. Trotz sorgfältiger Prüfung können einzelne Fehler enthalten sein.

Herzlich willkommen zum twintalk ihr Lieben. Schön, dass ihr bei unserem heutigen twintalk wieder dabei seid. Es geht um das Thema Selbstständigkeit, Vor und Nachteile der Selbstständigkeit. Wie sind wir auf das Thema gekommen? Ich habe mich mit einer jungen charmanten Dame unterhalten. 19 war sie und ich habe sie so gefragt, was würdest du denn gerne mal im twintalk besprochen wissen? Und da kam sie zu meiner Überraschung mit dem Thema Selbstständigkeit und ich war ganz überrascht und meinte so: „Beschäftigt euch in so jungen Jahren schon das Thema Selbstständigkeit und sie sagte: „Ja, viele in meinem Alter haben den Wunsch selbstständig zu sein, der eigene Chef zu sein, nicht angestellt zu arbeiten und ja, das haben wir zum Anlass genommen über die Selbstständigkeit zu sprechen.

Und ich kann mir sehr sehr gut vorstellen, gerade als junger Mensch heutzutage Julia durch Social Media, durch die ganzen Influencer, durch die Creator wird ja das selbständig sein auch ganz schön romantisiert, muss man ja ganz ehrlich sagen. Ich meine, wenn du Instagram durchguckst und du schaust das und dann denkst so, es gibt ja eigentlich nichts geileres als selbständig zu sein. Alle haben geilen Lifestyle, sind in Fort Miami und hier auf dem Boot und okay du jetzt nicht mehr so, aber sonst machen sie Sport morgens trinken ihre Shakes und dann gesunde Ernährung und dann sind sie in Kapstad und können aus Kapstadt aus arbeiten. Genau. Also es wirkt einfach alles ziemlich geil und ziemlich genial als könnte einem nichts besseres passieren. Ähm, aber das habe ich ihr dann auch gleich gesagt, die Realität ist ja doch echt eine andere, das muss man einfach mal ganz ehrlich sagen.

Ich glaube persönlich auch, die ganz ganz viele bei Instagram, wo wir glauben, dass sie wirklich ausschließlich als Creator Influencer Geld verdienen, dass das nicht Oh, Julia, du bestellst immer so viele Pakete. Es hat geklingelt, dass wieder ein Paket für Nina. Das kann jetzt noch häufiger passieren. Lasst euch nicht beirren. Tue ich auch nicht. Also komm, bestellt ohne Ende. Ich gar nicht. Ich gar nicht. Du bestellst für mich mit. Ich bestelle für dich mit. Genau. Deshalb war das auch eher ein Scherz, dass ich gesagt habe, wieder ein Paket für dich.

Ja, aber aber ähm es ist einfach so, dass Instagram augenscheinlich und signalisiert: „Hey, es gibt nichts geileres als selbständig zu sein.“ Ja, und ich glaube eben, dass es bei ganz vielen gar nicht unbedingt funktioniert, dass da vielleicht teilweise auch andere Modelle dahinter stecken, dass sie irgendwie auch noch anders Geld verdienen. Ja, also sei es durch einen anderen Nebenjob oder sei es vielleicht auch durch Geldanlage, finde ich übrigens auch einen ganz interessanten Punkt. Viele junge Menschen sind schon sehr ambitioniert und haben sich viel Wissen angeeignet, was Geldanlage betrifft. Ja, und das habe ich dann ganz spontan der jungen charmanten Dame auch ganz zu Beginn gesagt. Ich habe gesagt, du also wenn man sich selbständig macht, für mich das aller allerwichtigste ist ein finanzielles Polster. Und dieses finanzielle Polster sollte größer sein, als man zunächst denkt.

Warum? Weil es dauert alles viel länger und man braucht viel mehr Geld, als man einplant. Und das kann man am besten vorher schon einplanen. Und in den aller allermeisten Fällen ist es in einer Selbstständigkeit so, dass du erstmal investieren musst. Es mag Ausnahmen geben, da habe ich mich auch mit jemanden drüber unterhalten. Wenn du ein gutes Netzwerk hast und vielleicht mal aus dem Job ausgestiegen bist und du steigst dann wieder ein und hast vorher angestellt gearbeitet und sagst: „Ah, ich will das jetzt selbständig machen.“ Irgendwie nachdem du z.B. Kinder bekommen hast und so und sagst: „Okay, jetzt mache ich das selbständig, weil das auch besser jetzt in mein Lebensmodell passt.“ Dann kann es sein, dass es bei dir gut losgeht und du relativ schnell Geld verdienst, weil du ein gutes Netzwerk hast und genau weißt, wie das Business funktioniert.

Ich würde sagen, ich glaube, das ist selten der Fall, ehrlich gesagt. Meistens ist es eher so, dass es, wie du sagst, sehr viel länger dauert und sehr viel ähm stressiger ist und sehr viel kostensiver ist, als man das vorher plant. Man überschlägt ja so, was brauche ich denn so das für das erste halbe Jahr, um meine Selbstständigkeit so durchzuhalten und da verkalkuliert man sich eigentlich in der Regel immer. Ich glaube, das würde jeder, der sich schon selbständig gemacht hat, ähm bestätigen. Mal ganz kurz, Julia, dazu, wie wir überhaupt dazu gekommen sind, uns selbständig zu machen. Also, wir haben eine Ausbildung zur Werbekaufrau gemacht nach unserem Abitur in einer Frankfurter Werbeagentur, haben danach berufsbegleitend Marketing und Kommunikation studiert. Ich glaube, das nennt man heute anders. Ja, Medienkauffrau, irgendwie so wahrscheinlich, ne? Damals hieß es noch Werbekauffrau.

Jetzt hätte dieser Job, dieser Ausbildung wahrscheinlich extrem viel mit digitalen Medien zu tun. Das war damals noch die klassischen Werbewege und Medien, ne? Genau. Ja. Ja, es war anderes. Ja, absolut. Anzeigen und sowas, ne? Genau. Wir haben dann insgesamt waren wir 5 Jahre in einer Werbeagentur in Frankfurt, bis ich dann gesagt habe, Julia, ich werde unserem Chef jetzt die Kündigung auf den Tisch legen. Das witzige ist, meine Schwester hat mir das ja immer wieder gesagt, ne? Sie hat gesagt, du Julia, ich mache jetzt diese kaufmännische Ausbildung, das ist eine super Grundlage. Ich mache dieses Studium, das ist eine mega Chance und danach bin ich weg. Und ich dachte mir immer so, ja klar, danach bist du weg. Wo denn? Ähm, aber es war dieser Tag der Tage, der ist gekommen. Ich hab nicht nur gedroht und ich hab es wirklich nicht geglaubt.

Ich kenne meine Schwester eigentlich ganz gut und sie sagt manchmal schon Sachen, die sie dann auch nicht macht. Das muss man auch ganz ehrlich sagen, aber in dem Fall nicht. Sie hat das immer im Hinterkopf gehabt. Sie hat eine klare Vision gehabt und ich habe ähm still und heimlich immer gehofft und geglaubt, dass sie es nicht macht, weil ich fand das natürlich eine doof Idee, weil ich bin ganz anders. Ich liebe die Sicherheit, ich liebe feste Strukturen, ich liebe ein Umfeld, das immer das gleiche ist. Also du liebst einen geregelten Alltag auch, richtig? Sicherheiten, geregelten Alltag, feste Kolleginnen, ne? Also, das mag ich schon ganz gerne. All das, was furchtbar findet, furchtbar. Das war für mich immer der Albtraum. Also, ich fand es sowieso so schlimm.

Es klingt komisch und vielleicht ist auch mit mir was nicht normal, aber im Büro zu sein und dass mir jemand sagt, äh Frau Meise, bis nächste Woche Dienstag müssen Sie das und das machen. Und ich dachte mir jetzt mal so, oh, irgendwas läuft hier total schief, dass mir irgendjemand sagt, was ich zu tun habe. Ja, das geht einfach komplett einfach gegen den Strich. Ja, meine Schwester mag das sehr gerne genau zu wissen, was sie zu tun hat. Das ist ja auch relativ egal, wer ihr das jetzt sagt. Ja, aber es hat schon immer in mir gebrodelt. Ja, ich ich wollte immer selber entscheiden, was wann, wie und wo ich das tue und war auch immer bereit dafür einen hohen Grad an Sicherheit logischerweise aufzugeben. Natürlich war mir immer bewusst, wenn ich das machen will, dann kommt monatlich nicht mehr das Gehalt.

Ja, und das ist eben der entscheidende Unterschied, vor allem was dein Sicherheits Gefühl und auch deine Risikobereitschaft bedeutet. Ja, wirten fast Jahre ein regelmäßigen monatlichen Zahlseingang. Ja, um zu wissen, wenn ich die Kündigung jetzt auf den Tisch lege, kommt dieser regelmäßige Zahlungseingang nicht mehr und du bist selbst dafür verantwortlich. Und noch schlimmer, du weißt, dass du ja die ersten Monate in der Selbstständigkeit nichts verdienen wirst, sondern erstmal einfach nur investieren musst. Ja, da musst du schon bereit zu sein. Das musst du schon wirklich wollen. Ja, aber man muss sagen, wir waren schon vorbereitet. Das war keine Idee von morgen, sondern wir haben das vorbereitet.

Wir haben ja insgesamt, ich glaube 26 oder 27 Tage Urlaub im Jahr gehabt und äh haben wirklich keinen Urlaub gemacht, vier bis 5 Jahre kaum Urlaub, sondern haben unsere ganzen Urlaubstage dafür ausgegeben zu arbeiten, um noch mal zusätzliches Geld zu verdienen, dass wir dann quasi gespart haben für unsere Selbstständigkeit. Unser Chef wusste da auch Bescheid, der fand das auch in Ordnung. Das muss man ja mit dem Chef abklären, ob man dann den Urlaub, weil eigentlich ist der Urlaub da, um sich zu erholen, ne? Das mögen Chefs nicht so gerne. Wenn man dann noch in den Urlaubstagen arbeitet, müssen glaube ich mittlerweile recht viele, weil sie mit ihrem Job gar nicht mehr hinkommen. Das ist ja auch die traurige Wahrheit. wir wären schon hingekommen. Darum ging es nicht, sondern es ging eher darum, dass wir uns wirklich eine Basis für den Staat unserer Selbstständigkeit aufbauen wollten.

Und unser Chef wusste Bescheid, so dass wir eigentlich jeden Urlaubstag unserer 27, 28 Urlaubstage waren es, glaube ich, ähm aufgebraucht haben für Shootings. Ja. Ähm, damals gab es noch die ganz großen Kataloge überall. Neckermann, Otto Quelle gab es auch noch und Schwab, wie sie nicht alle hießen. Und ähm fast ausschließlich haben wir Katalogbuchen auch ein paar Commercial Buchungen gehabt und äh haben uns schon langsam so als Commercial Model aufgebaut. Kann man nicht alles sagen. Das Interessante ist, unser Chef fand das total gut und hat gesagt, könnt ihr gerne machen, sehr, sehr gerne, habe ich kein Problem mit. Die Kolleginnen fanden das gar nicht gut. Ja, die haben uns das äh spüren lassen, dass sie das richtig scheiße finden und ja, wir haben uns da wirklich ähm in den Weg gelegt. Das kann ich nicht anders sagen.

Wir waren insgesamt 6 Jahre im Büro und äh sobald du da, sage ich mal aus diesem Rahmen, aus dieser Normalität, wie es die anderen Kollegen machen, ausschärst, wird der Ton rauer. Genau. Genau das fand ich sehr interessant zu sehen, weil ich habe mich mit meinen Kolleginnen immer sehr gut verstanden. So solange wir alle gleich waren, Mittagspause gleich, aber bitte auch nur eine dreiviertel Stunde, keiner länger, keiner kürzer, alles gleich. Aber sobald dann jemand quasi die Möglichkeit hatte, die wir dann hatten, Geld zu verdienen im Urlaub, ähm war es eben so, dass die Kolleginnen einem klar gemacht haben, das finde ich richtig scheiße. Also es war so, wenn ich z.B.

gesagt habe, du ich habe äh morgen einen Tag Urlaub eingereicht, ich habe ein Shooting da und dafür schlechte Stimmung und am nächsten Tag war der Schreibtisch so übertrieben voll und so unordentlich so da war die Message versteckt. Überlegst dir beim nächsten Mal genau. Das stimmt. Das habe ich ganz genauso erlebt und ich war so richtig genervt davon und dachte mir, das würde ich nie machen bei jemand anderem. Aber ich wusste ja immer, unser Chef stand hinter uns. Deshalb dachte ich mir immer so im Kopf, du ganz ehrlich, leck mich du blöde Kuh. Habe ich mir wirklich gedacht? Ja, war einfach blöde Kuhverhalten. Ich kann es nicht anders nennen. Ja, du hast sehr viel mit Neid in der Selbstständigkeit zu kämpfen. Warum? Weil du natürlich auch Büro, wir reden ja gerade vom Büro. Ja, aber ich rede gerade auch von Selbstständigkeit.

Jul, wenn andere Leute damit konfrontiert werden, dass du dich selbständig machen willst, seinen jetzt deine Kollegen, sei es jetzt dein Umfeld, sei es irgendwelche Bekannten, du triggerst sie damit. Warum? Weil viele den Wunsch haben, sich selbständig zu machen, sich nicht zu trauen. Manche vielleicht sogar wissen, ich werde mich das nie trauen. Also das Thema Selbstständigkeit, egal ob Kollegen oder wer auch immer, das triggert andere, ja? Das polarisiert und dass du dann hergehst und meinst, okay, ich wage das jetzt, das bringt eben oft ordentlichen Gegenwind. Ja, und darauf musst du dich gefasst machen. Ja, warum? Du musst ja auch deine Selbstständigkeit immer wieder neu erklären. Du kommst irgendwohin, wo auch immer. Und die zweite, dritte Frage ist immer, was machst du eigentlich? Wie verdienst du dein Geld? Blablabla.

Und dann musst du immer wieder deine Vision erklären und dann kommen komische Blicke. Du echt davon kann man leben. Ich weiß noch genau in der Werbeagentur, ihr beide Models und dann das das Schlimmste war immer, ich sag’s euch, das Schlimmste war immer wirklich und damals waren die Kriterien für Models knallhart, die waren nicht verhandelbar. Die waren nicht verhandelbar. Wenn du unter 178 warst, no chance. Du hast keine Agentur bekommen. Wenn du äh keine Konfektion 36 hattest und zwar eine schlanke 36, warst du raus. Also, da gab es das nicht, dass da Ausnahmen gemacht wurden. Heute ist das ja viel demokratisierter, viel schöner, viel vielfältiger. Ich finde das wunderbar, dass das so ist. Damals war es anders und trotzdem kam immer wieder Leute her, ich meine, wir reden von über vor 15 Jahren, ja, Model. Ah, das habe ich auch mal gemacht. Das war ja gar nichts für mich.

Und ich dachte mir so, ah ja, du genau, du siehst auch äh aus. Also sorry, aber da war also wir mussten uns schon ganz schön was anhören, wollen wir damit sagen. Ja, aber das das Lustige ist Julia, mich hat das immer motiviert. Ich habe immer immer wenn so gegen Wind kam und er kam super oft und der kommt heute auch noch oft, ne? Das ist wirklich Wind auf meinen Mühlen. Ich denke mir einfach, ich bin genau auf dem richtigen Weg und wenn jemand wirklich, wenn ich eine neue Idee habe, auch oft bei dir oder auch bei anderen und die werden dann so in der Luft zerrissen, wie willst den damit Geld verdienen? Um Gottes Willen, jetzt habe ich ja wieder so eine neue Idee, ne? auch jetzt gerade wieder ein Bekannten von dir erzählt und der gesagt, um Gottes will steck nicht so viel Geld rein, steck da bloß nicht so viel Geld rein. So und dann merke ich, ich bin genau auf dem richtigen Weg, ne?

Also ist immer meine Erfahrung, umso mehr Gegenwind, umso eher bist du auf dem richtigen Weg, weil das die Leute triggert. Ja. Und wenn alle sagen, ah, gute Idee, das kann funktionieren, bullshit, meine Erfahrung. Jeder muss seine eigenen Erfahrung machen. Selbstständigkeit ist was ganz individuelles, aber das ist meine Erfahrung. Aber grundsätzlich würde ich sagen, ist es so, ich bin einfach von meinem Wesen, von meinem Charakter eher nicht anpassungsfähig, ja, nicht anfangs, ich lasse mir ganz ungern was sagen, ja, eigentlich gar nicht, wenn man ehrlich ist, ne? Und deshalb war für mich die Selbstständigkeit der einzige Weg, hier irgendwie in der Gesellschaft klarzukommen. Ja, wenn es das nicht gäbe, hätte ich ein Problem, ein echtes Problem. Bei dir ist das natürlich was anderes.

Du wärst auch sehr zufrieden geworden in guten Selbstständigkeit, glaube ich, im in der guten in einem guten Angestellten Verhältnis. Ja. Ach so. Ja, ein guten Angestellten Verhältnis. Genau. Ja, das wäre auch was für dich gewesen. Absolut. Da hätte ich mich sehr gut auch platzieren können und hätte auch ein glückliches Leben, ein ruhigeres Leben führen können. Weniger aufregend, ja, weniger glamorous, weniger interessant, aber ich von meiner Persönlichkeit und das ist ja auch eine ganz wichtige Frage, was habe ich für eine Persönlichkeit? Ist die für die Selbstständigkeit gemacht oder nicht? ähm würde sagen, ich wäre auch im Angestellten Verhältnis sehr glücklich und zufrieden geworden. Jetzt, wo wir natürlich 15 Jahre selbständig, das sind schon mehr als 15 Jahre, 16 oder wie viel? Ja, so also wir müssen mal genau gucken. Also ich weiß noch genau, wann wir gekündigt haben.

Das war 2007 2007 und dann haben wir ja bald 20jähriges nächstes Jahr. Ich würde das eigentlich gerne mega mega groß feiern, aber ich denke dann alle denken wir sind so alt, aber wir sind doch nicht alt. Wir sind nicht alt. Nein, nein, wir haben einfach früh, das möchte ich Moment, das möchte ich jetzt auch mal an der Stelle sagen. Ja. Ähm, wir haben tatsächlich unser Studium nicht nur berufsbegleitend gemacht, sondern auch noch parallel zur Ausbildung. Also, wir haben unsere kaufmännische Ausbildung auf anderthalb Jahre verkürzt, was ziemlich sportlich war. Parallel dazu haben wir das Studium gemacht und noch in der Werbeagentur gearbeitet.

Wir reden hier wirklich von 13, 14 Stunden Tagen und sehr wenig Schlaf und das war auch, obwohl wir jung waren, hart, weil ich brauche mein Schlaf, aber äh wir haben das einfach extrem taft durchgezogen und deshalb haben wir dann einfach relativ früh schon mit einer Ausbildung, mit einem Studium sind wir in die Selbstständigkeit gestartet. Ja, das ist einfach so. 23, 24 ging es los. Da hatten wir Studium in der Tasche, Ausbildung in der Tasche und ein finanzielles Polster. Und unser finanzielles Polster, dass wir uns einigermaßen sicher gefühlt haben. Genau. Genau, weil es ist nämlich so, damals als Model ist es auch so gewesen und das ist, glaube ich, in jeder Selbstständigkeit recht ähnlich. nicht in allen. Es gibt immer Ausnahmen, aber für uns war klar, wenn wir jetzt vollberuflich in die Selbstständigkeit gehen, müssen wir zu richtig guten Fotografen gehen.

Eine Indiz war das damals und wie sie nicht alle hießen und die waren eben auch recht teuer. Aber wenn du diese Fotos dieser Fotografen nicht in deinem Modelbuch hattest, hieß es damals, du wirst nicht gebucht. Und das heißt, du musstest mindestens in vier, fünf richtig gute, auch recht teure Shootings investieren, um sicher sein zu können, dass du mit der Konkurrenz mithalten kannst und dass du sehr wahrscheinlich Buchungen bekommst. Ja, und das das ist einfach eine Investition, ist eine Anfangsinvestition und gerade am Anfang ist jede Investition eine Herausforderung in so einer jungen Selbstständigkeit. Das ist einfach so. Und meistens kommt da noch mehr dazu, dann heißt es ah ein Auswandsaufenthalt oder hier und da und den hast du dann nicht so einkalkuliert. Das haben wir natürlich die Booker von den Agenturen auch gesagt, ne?

Wir können jetzt nicht nur hier Fotos aus Deutschland haben, am besten Kapstadt sowieso, ne? Griechenland, es entwickelt sich dann alles so und die Kosten steigen und steigen und steigen, was du gar nicht so drin hattest. Und dann ist eben auch die Frage, ne, hältst du das durch? Hältst du an deiner Vision fest, obwohl du siehst, oh, das Geld wird immer weniger? Glaubst du weiterhin daran, auch wenn andere sagen, oh echt, oh, du hast jetzt so viel Geld schon ausgegeben und so wenig eingenommen und so, ne? Musst ja dann auch immer das mit deinem Umfeld und so abgleichen und die kriegen ja dann auch so ein bisschen Panik. Das musst du auch aushalten geben. Nina, das habe ich ja auch sehr spät erst gelernt. Im nächsten Leben würde ich das früher machen.

Viel weniger erzählen, weil umso mehr du den Leuten erzählst, was gerade bei dir läuft, umso mehr wirst du verunsichert und das bringt gar nichts, weil die haben gar keine Ahnung. So wie wir auch keine Ahnung haben von der Selbstständigkeit anderer, haben wir auch nicht. Und da ist wirklich weniger mehr lieber Leute so ein bisschen im Unklaren lassen, bevor man ständig sich fühlt, als müsste man sich rechtfertigen. Das ist gar nicht nötig. Das stimmt. Also so viel zu unserem Weg, zu unserer Selbstständigkeit. Also ich kann auch nur sagen, bei uns hat alles länger gedauert. Es war viel anstrengender. Es hat sehr viel mehr Geld gekostet, bis man wirklich zu dem Punkt gekommen ist, Geld zu verdienen. Äh hat einfach doppelt so lange gedauert, wie wir dachten und so. Und es hat sich ganz gut entwickelt.

Aber wir können euch aus Erfahrung sagen, man braucht wirklich eine hohe Frustrationsgrenze, weil Selbstständigkeit bedeutet wirklich einfach auch immer wieder ganz viele Niederlagen und vor allem Absagen, Absagen, absagen und da kommt jetzt wirklich unsere Modeltätigkeit uns zugute, ne? Weil du bist ja dann bei mehreren Agenturen und kriegst immer tolle Anrufe, also der Kunde hat dich optioniert und der Kunde hat dich optioniert und der und du denkst so: „Wow, wow, wow“ und dann rieseln so die Absagen rein, ne? Du denkst du, ich habe gerade so viele Optionen drin, irgendwas wird klappen und dann klappt aber gar nichts. Und daher haben wir, glaube ich, eine ganz hohe Frustrationstoleranz gelernt in unserer Modeltätigkeit, weil du gibst so viel, es ist so persönlich von dir und du wirst manchmal monatelang abgelehnt. Ja, und das hat uns sehr geholfen.

Das war im Endeffekt eine gute Schule. Ja, natürlich bin ich da auch dankbar, dass wir da zu zweit waren. Ich bin ich zieh vor jedem Model mein Hut, die das alleine durchsteht wirklich und alleine mit diesen ganzen Absagen und dieser Kritik umgehen muss. Wir haben uns ja dann selbst immer erst haben wir uns auch kurz fertig gemacht und dann als wir total fertig waren, haben wir uns gemeinsam wieder aufgebaut. Das stimmt. Ja, das stimmt. Absolut. Aber Julia, unser Thema Vor und Nachteile der Selbstständigkeit. Also du warst ja erst gar nicht für die Selbstständigkeit. Deshalb frage ich dich jetzt mal ganz kurz. Was sind für dich jetzt nach fast 20 Jahren Selbstständigkeit, Vorteile der Selbstständigkeit?

Die größten Vorteile für mich ähm in der Selbstständigkeit sind ganz klar, dass ich meine Zeit frei einteilen kann, dass ich das ja verrückt, dass du das jetzt sagst, weil eigentlich wolltest du das ja nie, du wolltest ja gerne eine Struktur, ne? Aber das magst schätzt du jetzt auch. Menschen sind Gewöhnungstiere und genau das schätze ich jetzt auch. Also, wenn ich mir jetzt vorstelle, ich müsste fix in einem Büro sein, fünf Tage die Woche und nur wenn irgendwas Besonderes ist wie Urlaub oder ich bin krank, bin ich nicht da, ist für mich jetzt eine schlimme Vorstellung, weil ich mich da einfach umgewöhnt habe. Das ist so, du gewöhnst dich daran. Okay, also dass du dir die Zeit frei ein kannst, was ist noch? Das ist mir das aller allerwichtigste, dass mir du sagst mir trotzdem, was ich zu tun und zu lassen habe. Also, dass der Punkt fällt weg. Ich kriege trotzdem Ansagen von dir.

Das ist für mich auch völlig okay, weil du bist diejenige immer, die die Vision hat. Du bist die kreative, du hast die Ideen und deswegen machst du mir die Ansagen, Hüler, wir machen jetzt das, das, das und das und deine Aufgabe ist das, das, das und das. Und das finde ich gut so. Ich ich mag es, wenn mir jemand Ansagen macht. Ja. Ja, du lachst, aber es ist halt so. Seid doch froh, dass es mich nicht stört, oder? Ja, oder? Ja, wenn du das so siehst, ja, ist okay. Das ist so. Ja, stört mich aber Gott sei Dank nicht, weil ich ein anpassungsfähiger Mensch bin und ich bin auch kein Mensch. der jetzt so eine mega Passion und Vision hat und sagt, lass uns dies, das und jenes machen. Ich bin einfach ganz normal und habe nicht besondere Ideen. Ja, habe ich ja einfach leider nicht. Manchmal selten und die sind dann auch echt gut, aber nicht so oft. Stimmt.

Ganz ganz selten, aber ich meine sind dann auch echt gut. Ja, und die klappen dann meisten das stimmt. Alle f Jahre würde ich sagen. Ja, alle f Jahre, aber dann ist es so ein Hammer, wo du denkst so genial, jetzt hat es auch noch geklappt. Ja, das ist ziemlich gut. Ja, ich viele Ideen und viele so 20% jede fünfte. Ja, aber es reicht ja auch. Ja, und das ist eben auch das, was man eben in der Selbstständigkeit wissen muss. Ja, das was man nach außen sieht, sind natürlich immer die Dinge, die geklappt haben, Trips, die geklappt haben, Kooperation, die geklappt haben, Projekte, die geklappt haben und die dann mega geil nach außen aussehen. Sind auch meistens mega geil, muss man sagen. Was man aber dahinter nicht sieht, sind eben die ganzen Absagen, die Frustration, die Arbeit, die man in Projekte gesteckt hat, die dann gar nichts geworden sind. oder man hat einfach gar nichts mehr gehört.

Ja. Ähm, das ist aber das Schöne am älter werden, dass man immer entspannter damit umgehen kann und dass man das jetzt wirklich einfach auch als Teil der Selbstständigkeit akzeptiert und sieht. Es gehört einfach dazu. Und das allerwichtigste ist überhaupt nicht mehr persönlich n. Wir wissen, dass das nichts mit uns zu tun hat und das befreit. Ja, genau. Und äh Nachteile, wir waren jetzt bei den Vorteilen der Selbstständigkeit, ne? Ähm, Nachteile der Selbstständigkeit sind natürlich, dass du eigentlich keine große Sicherheit hast. In der Regel du hast keine Sicherheit. Du hast keine Sicherheit. Nein, also nicht so wie dem Angestellten Verhältnis, weil da kommt monatliches das Gehalt und das ist in einer Selbstständigkeit eben nicht so.

Dann was natürlich auch noch ein riesen Nachteil ist, ist sozusagen das Risiko, was die meisten auch in der Selbstständigkeit tragen, ja, dass das Geschäftsmodell eben nicht so funktioniert, dass sich die ganzen Dinge nicht so ausgehen, wie man sich das vorgenommen hat. Das natürlich auch Risiko, Verantwortung, Druck, Entscheidungen, viel Kritik, sehr viel Kritik. Gut, die kriegst du als Angestellter auch sehr viel Kritik, aber es ist noch mal was anderes. Wenn es dein eigenes Baby, deine Selbstständigkeit ist, dann musst du da noch mal anders mit umgehen. Ja, es ist auf jeden Fall klar, auf Instagram wird die Selbstständigkeit ganz klar romantisiert und als etwas sehr, sehr schönes und freies dargestellt. Die Realität hat oft mit großer Verantwortung, großem Druck und ganz wichtigen Entscheidungen zu tun. So ist es. Und die Selbstständigkeit ist tatsächlich ein Charaktertest jeden Tag.

Dein Charakter wird jeden Tag aufs Neue getestet und das hast du in dem Angestellten Verhältnis nicht so. Da kannst du auch mal eine Zeit lang so mit schwimmen. Ja. Ja, genau. Also ja, kann man schon. Da kann man auch mal die Füße hochlegen, würde ich sagen. Würde ich jetzt nicht für jeder doch bei mir war das so im Büro. Ich habe nicht immer jetzt schon auch ein bisschen her. Ja, aber du gut, wir unterhalten uns ja auch mit Leuten, die angestellt arbeiten. Ja. Ähm. Ja, noch ganz kurz. Das ist erwiesen. Die arbeiten da nicht durch. Jeder chillt mal. Jeder chillt mal. Ja. Ja, klar. Gut, ich chill als Selbstständig auch mal. We du wirst nur dann nicht bezahlt, wenn du chillst. Das ist der Riesenunterschied. Wenn ich chille, dann merke ich das sofort. Wenn du angestellt bist und mal nichts machst, wirst du trotzdem bezahlt. Die Krankenkasse läuft trotzdem. Das ist ja der Unterschied.

Das ist der Riesenunterschied. Da gebe ich dir absolut recht. Ich wollte noch ganz kurz was zu den Zahlen sagen, weil ich die auch sehr interessant finde. Ca. 8 bis 9% der Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten selbständig. Das ist tatsächlich im europäischen Vergleich unters Mittelmaß. Also äh es gibt Länder, da reden wir eher so von 13% selbständigen. Ja, das sind Länder wie Griechenland, Italien und Polen. Genau. Ganz interessant. Liegt natürlich auch daran, dass wir in Deutschland sicherlich einfach ein tolles Angebot anten Jobs haben. Ja, das ist vielleicht in Italien und Polen und Griechenland nicht ganz so der, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall muss ich ganz ehrlich sagen, als ich die Zahl gehört habe, 8% der Erwerbstätigen selbständig, habe ich gedacht, eigentlich schade. Ist eigentlich schade. Eigentlich finde ich schon schön, wenn wir mehr selbständige in Deutschland hätten.

Ich glaube, selbständige Freiberufler tun jeder Gesellschaft sehr gut. Ich glaube, dafür müsste sich die Politik noch ein bisschen ändern, weil was uns als Selbstständige auffällt, ist natürlich, dass die selbständigen insbesondere in politischen Entscheidungen oft einfach vergessen werden, die denkt keiner. Ja, und wenn ich mirelle so wenig ist auch nicht die einfach mal immer übergangen werden, das finde ich schon sehr sehr schade. Das ist sehr sehr schade. Das stimmt. Da könnte sich wirklich was ändern. Julia, wir sind schon wieder am Ende angekommen. Ich fand das sehr interessant mit unserer Selbstständigkeit. Ich glaube, das wird nicht das letzte Male gewesen sein im twintalk, dass wir zum Thema Selbstständigkeit uns unterhalten haben. Ich hoffe, eure unsere Geschichte, nicht eure Geschichte, unsere Geschichte inspiriert euch vielleicht.

Ja, also Julia ist ja ein gutes Beispiel dafür, dass sie eigentlich einen Charakter hat, der nicht so geeignet ist für die Selbstständigkeit, aber sie ist da rein gewachsen. Das kann auch funktionieren. Habe ich das jetzt richtig gesagt? Aber nur wenn man ein Zwilling hat, der einen da durchschleift. Ja, aber es gibt vielleicht auch andere Konstellationen, wo das auch ähnlich funktionieren könnte oder z.B. ein Partner, der sagt, wir machen das jetzt hier Schatz. Also, es muss schon ein geben, der das wirklich will und hundertprozentig überzeugt ist mit so ein bisschen, ich probiere es mal. Nein, genau, weil ich muss schon sagen, ich habe die Vision, ich habe immer gesagt, wir möchten mit die bekanntesten Zwillinge Deutschlands werden. Wir möchten andere inspirieren, wir möchten anderen Lächeln auf die Lippen zaubern.

Wir möchten wirklich unsere Berufung zum Beruf machen, das Zwilling sein. Das war immer meine Vision. Mir war es auch relativ egal, ob jemand das belächelt hat oder doof kommentiert hat oder so. Das war immer mein Baby und ähm deins vielleicht nicht so, aber dann habe ich es wieder äh dir eingetrichtert und gesagt, das ist so und wir ziehen das weiter durch und sowas braucht es schon, sowas braucht es einfach. Und ähm ja, vielleicht habt ihr auch so ein Baby, was was euch nicht loslässt, aber wir wollen einfach euch auch mitgeben auf den Weg, dass Selbstständigkeit nicht ganz so romantisch ist, wie es auf Instagram wirkt und dass ein paar also oder mehrere hunderttausend von Followern nicht unbedingt gleich heißt, dass man mit Instagram so einfach Geld verdienen kann. die die das ist einfach nicht der Fall und es muss schon ein Geschäftsmodell dahinter sein.

Es muss eine Vision dahinter sein, eine Personal Brand vor allen. Genau, eine Personal Brand muss dahinter sein und es ist schon mehr als es nach außen aussieht und deshalb überlegt euch das gut, aber Julia, wir traut. Ja, genau, das ist die Message. Traut euch auf jeden Fall, weil selbst wenn man scheitert überhaupt nicht schlimm. Dann hat man die geilste Erfahrung gemacht und dann weiß man, hey, ich habe wenigstens probiert, weil wir bereuen nur Dinge, die wir nicht getan haben. So ist es. Also ihr Lieben, wir schicken euch ein doppeltes Bussi hier und freuen uns auf den nächsten twintalk mit euch.