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Macht Unabhängigkeit Beziehungen wirklich schwieriger?

Nina Meise und Julia Meise in Diskussion beim twintalk

Macht Unabhängigkeit Beziehungen schwieriger – oder eröffnet sie uns die Möglichkeit, uns bewusster füreinander zu entscheiden? In dieser Folge sprechen Julia und Nina darüber, wie Freiheit, Selbstständigkeit und veränderte Rollenbilder unsere Vorstellung von Partnerschaft prägen. Es geht um Beziehungen auf Augenhöhe, die Balance zwischen Nähe und Eigenständigkeit und die Frage, ob wir heute höhere Erwartungen an die Liebe haben – oder einfach andere.

Darum geht es in dieser Folge

  • wie Unabhängigkeit die Art verändert, wie wir Beziehungen führen
  • warum Freiheit und Nähe in einer Partnerschaft kein Widerspruch sein müssen
  • welche Bedeutung neue Rollenbilder und Partnerschaft auf Augenhöhe haben
  • warum die bewusste Entscheidung füreinander heute vielleicht wichtiger ist als das Gefühl, einander zu brauchen

Transkript dieser Folge

Hinweis: Dieses Transkript wurde automatisch erstellt und zur besseren Lesbarkeit leicht überarbeitet. Trotz sorgfältiger Prüfung können einzelne Fehler enthalten sein.

Heute geht es in unserem twintalk um die Frage: Macht Unabhängigkeit unsere Beziehung schwieriger? Viele denken, dass die Beziehungen früher viel weniger gescheitert sind als heute. Aber ist das wirklich richtig? Das Bild ist tatsächlich etwas komplexer, was mich auch verwundert hat, seitdem ich jetzt mich mit diesem Thema befasst habe für unseren heutigen twintalk, denn es ist einfach so, wir leben öfter alleine, wir entscheiden uns viel später für eine Beziehung und wir entscheiden uns auch viel später für eine Ehe oder sogar ganz gegen die Ehe. Die Frage ist, macht unsere Unabhängigkeit die Beziehungen schwieriger oder ehrlicher? Das ist die Frage oder ehrlicher, ähm es ist natürlich so, Julia, wenn man mal auf die Zahlen guckt, die Zahlen zu diesem Thema sind sehr interessant und auch teilweise wirklich überraschend, weil man immer sagt, ach, die Scheidungsrate ist auf dem Höchststand, ist gar nicht so, ne?

Also, die war schon viel viel höher, die ist im Moment gar nicht so hoch. Wie gesagt, war schon viel viel höher. Liegt aber auch daran, weil einfach viel weniger auch geheiratet wird. Muss man auch ganz ehrlich sagen, es wird später geheiratet und und. Aber welche Zahl ich ganz interessant finde, rund 17 Millionen Menschen in Deutschland leben alleine, leben in einem Personenhaushalt. Das heißt, jeder fünfte Deutsche lebt alleine. Finde ich jetzt auch gar nicht so viel. Wenn wir dann den Land Stadtvergleich machen, in der Stadt ist es jeder vierte, auf dem Land jeder fünfte, insgesamt auf Deutschland betrachtet dann eben jeder fünfte. ähm ja, in unserem Umfeld ist es gefühlt jeder dritte, ne? Also das ist auch immer in welcher Bubble man dann so lebt, ja, in so einer ganz eigenen Bubble. Aber es lohnt sich wirklich die Zahlen dazu anzugucken, weil es ist alles gar nicht so schlimm, wie man manchmal denkt.

Das finde ich erstmal das Beruhigende. Ja, aber was würdest du denn sagen, Julia? Wie verändert Unabhängigkeit, also vor allem die Unabhängigkeit der Frau, aber die Unabhängigkeit von beiden Partnern, die Beziehung? Grundsätzlich finde ich es nur positiv, wenn beide Partner auf Augenhöhe sind. Und Augenhöhe erreicht man ja nur, wenn beide unabhängig sind. Unabhängigkeit bedeutet ja, ich bin freiwillig hier und ich muss nicht. Und das finde ich für eine Beziehung grundsätzlich gut. Ja, das ist für mich eine gute Nachricht. Die das hat sich natürlich total verändert. Schauen wir uns die Beziehung unserer Großeltern an. unserer Eltern, die waren oft auf anderen Entscheidungsgrundlagen entstanden, als sie es heute Gott sei Dank müssen. Also in der Vorbereitung z.B. zu unserem Thema heute war ja eine Frage. ähm schaut euch mal die Ehe eurer Großeltern an.

Wäre das für euch ein schönes Modell oder eine schöne Vorstellung, das so zu leben? Und da kann ich nur sagen, wenn ich an unsere Großeltern denke, nein, also wirklich gar nicht. Also die waren zwar zusammen, bis der Tod sie geschieben hat, ne? Unsere Oma hat unseren Opa auch wirklich vergöttert. Also aber eben und deshalb fragen wir uns gemacht. Sie hatte keinen Führerschein. Sie konnte eigentlich ohne Willi Nein, sie konnte ohne unseren Opa Wilhelm gar nichts. Unsere liebe Annelise trotzdem unsere Also ich glaube nicht, dass sie unbedingt unglücklich war Jü, weil es war ja bei fast vielen so es war völlig normal. Das war eine ganz andere gesellschaftliche Situation als die, die wir heute haben. Und deshalb waren damals auch die Beziehung einfach ganz andere, weil du hattest ganz andere Beweggründe überhaupt in eine Beziehung zu gehen und meistens war dann auch das Ziel, dass aus einer Beziehung eine Ehe wurde, weil sonst warst du gesellschaftlich schon so ein bisschen schief angeguckt, ne? 30, 35, immer noch nicht verheiratet.

Da leben wir jetzt Gott sei Dank äh heutzutage sehr entspannt mit, kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Halb so wild. Ja. Äh, das war damals natürlich ganz ganz anders. Ja, und ähm da wurden Beziehung eben oft getroffen, vor allem aus dem Gedanken heraus, ich möchte Stabilität, ich möchte wirtschaftliche Stabilität, ich möchte wirtschaftliche Sicherheit. Ja, das war so der Grundgedanke einer Verbindung zwischen Mann und Frau. Ja, weil unsere Gesellschaftsordnung eben nun mal so war, ja, und äh die Kirche natürlich auch mit der Ehe dann dazu beigetragen hat, die Gesellschaft so ein bisschen in Ordnung zu bringen. Ja, die Frau bleibt zu Hause, der Mann kümmert sich darum, dass alle versorgt sind und so kann man natürlich eine Gesellschaft auch ähm ja schön gliedern und ordnen. Und aber die Ehe war auch wichtig, das darfst du nicht vergessen, um die Frau auch abzusichern, insbesondere wenn auch Kinder im Spiel sind.

Auch eine Absicherung für die Frau. Also grundsätzlich muss ich sagen, abgesehen von dem Absicherungsgedanken, finde ich die Ehe toll. Ich find auch Ja, ich wollte es noch mal betonen. Trotzdem kann ich jeden verstehen, der das nicht möchte und sagt, ich lebe mit meiner besten Freundin zusammen, ich lebe alleine mit meiner Katze, ich lebe in einer WG. Und das finde ich das Schöne an Unabhängigkeit, dass jede Lebensform, egal wie du lebst, völlig akzeptiert und völlig okay ist. bin ich ganz bei dir. Ich bin super dankbar in dieser Zeit jetzt leben zu können. Diese Multioptionsgesellschaft, diese Multioptionssituation, in der wir leben, macht natürlich viele Dinge ja schöner, weil es einfach Freiheit ist, aber es macht es eben auch komplexer und es macht es teilweise eben auch schwieriger. Und ich glaube schon, Julia, dass wir heute auch ganz andere Erwartungen an eine Beziehung haben als damals unsere Oma oder sogar als unsere Mutter, ne?

Also, da ging es auch oft so um diese wirtschaftlichen Überlegung, passt das zusammen, können wir gemeinsam leben, können wir uns was aufbauen in unserer Elterngeneration? Können wir vielleicht zusammen uns ein Haus erarbeiten und und diese Überlegungen, ja, und das diese Überlegungen sind ja heutzutage nicht mehr ganz so präsent, sondern heute haben wir ganz andere Ansprüche in eine Beziehung. Ja, eine Beziehung, ein Partner, der soll unser bester Freund sein, der soll ein Liebhaber sein, er soll uns Sicherheit geben. Ja. Er soll unser Coach sein, er soll uns motivieren, er soll uns aufbauen, wenn wir mal schlecht drauf sind und Frauen sind öfter mal schlecht drauf. Ja, mehrmals im Monat. Er soll unser Sparringspartner sein, er soll verständnisvoll sein für alle Emotionen, die wir so haben. Er soll der starke Partner sein, aber er soll auch manchmal weich sein, ne?

Und die Liste könnten wir ewig lang führen, was wir heutzutage auch für Erwartung an Beziehung haben. Ich bin schon der Meinung, dass wir sie teilweise dadurch echt so ein bisschen überfrachten, ehrlich gesagt. ähm, das kann eine Beziehung alles gar nicht unbedingt so abbilden. Da sind auch viele Themen meiner Meinung nach dabei, die wir selbst eher abdecken müssten, ne? Also natürlich bin ich der Meinung, dass der Lebenspartner auch der beste Freund sein sollte. Ja, also das ist z.B. für mich unverhandelbar. Das muss sich schon so anfühlen, weil du mit dem einfach dein Leben verbringst und am meisten Zeit verbringst und er deine erste Bezugsperson ist. Das ist ganz ganz wichtig. ähm ja, mit der Stabilität, also Emotional Stabilität bringen, bin ich auch ganz dabei. Das ist schon für mich auch so ein bisschen dieses Thema männliche Energie, weibliche Energie.

Ja, wir Frauen sind zyklische Wesen. Der Mann ist so ein bisschen konstanter und kann so ein bisschen die Ausschläge äh nach oben und unten unseres weiblichen Zyklus auch hoffentlich ganz gut abfedern. Also ähm es gibt viele Dinge, die wir heute noch on top erwarten, neben dem, was unsere vorherigen Generationen erwarten haben. Wobei wir ja nicht unbedingt erwarten, dass er uns jetzt finanziell absichert. Also diese Erwartung ist ja Gott sei Dank ein bisschen weniger geworden. Ja, dafür sind aber andere Erwartungen dazu gekommen. So würde ich es mal formulieren, oder? Ja, nur ich muss sagen, ich kann da nur von mir reden, was meine Erwartungen angeht, wie du eben gesagt hast, es gibt viele Dinge, die man sich wünschen kann oder erwarten kann. Nur ich suche mir natürlich für mich meine raus, die mir sehr sehr wichtig sind und das sind sicherlich nicht alle, weil wenn ich einen Mann haben möchte, der alle abdeckt, das wäre ja Mr.

Perfect und den gibt’s ja nicht und ich bin auch nicht Miss Perfect und deswegen würde das gar nicht passen. Das heißt, ich überlege mir, welche Themen sind mir wichtig und dann versuche ich einen Partner zu finden, der genau diese Eigenschaften hat. Das müssen aber nicht alle sein, sondern das müssen meine sein, die mir wichtig sind. Da sind wir wieder beim Thema der die Sprache der Liebe haben, sind wir das letzte Mal schon näher drauf eingegangen, was ist mir wichtig in einer Beziehung und das suche ich bei meinem Partner. Das ist aber nicht die gesamte Palette mit bester Freund, Liebhaber, äh Teddy zum Kuscheln und was nicht alles. Das das können wir nicht erwarten. Das kann nur scheitern und ich möchte auch nicht, dass irgendjemand solche Erwartungen an mich hat. Das würde mich massiv einengen. Deswegen muss jeder gucken, was ist mir wichtig und finde ich einen Partner, der mir das, was mir wichtig ist, geben kann.

Das kann nicht alles sein. Es gibt Dinge, die Ruhe macht man mit der besten Freundin, manche mit der Schwester. Ja, also ich finde, ein Partner muss nicht alles abdecken, aber das was einem wichtig ist. Ich finde folgenden Aspekt auch ganz interessant. Also wir heutzutage haben ja die Möglichkeit uns jeden Tag neu zu entscheiden, bleibe ich bei demjenigen oder möchte ich lieber alleine leben oder mit jemandem anderen leben. Das heißt, wir entscheiden uns jeden Tag aufs Neue freiwillig für die Partnerschaft. Das ist sicherlich ein Unterschied zu vorherigen Generationen. ähm, was ich aber tatsächlich ganz interessant finde, ich habe gerade in Faden verloren. Mensch, ich wollte ein ganz ganz wichtigen Punkt sagen. Ah, hilf mir mal schnell wieder wei na ich weiß es wieder. Gott sei Dank ist wieder gekommen. Das ging aber schnell. Ja, [gelächter] dass wir das mal evolutionsbiologisch betrachten.

Ja, weil die evolutionsbiologische Seite, die hat sich ja nicht so verändert über die Generation. Die bleiben ja, das sind so Naturgesetze. Und wenn wir da z.B. mal in die Naturwelt schauen. Ja, es gibt wenige Tiere, die z.B. monogam leben. Es gibt ein paar, z.B. Die Schwä, die Schwäe. Interessant. Die Schwäben monogam. Ja, außer wenn dann der Partner stirbt, dann kriegen die vielleicht auch noch mal einen anderen Partner, aber sonst leben sie monogam. Ja. Und ähm was die Evolutionsbiologie ja auch mitbringt, Julia, ist ja, dass nicht nur in der Tierwelt, sondern eben auch bei uns, wir Frauen natürlich sozusagen bei dem Partner immer auch darauf achten, ist der stark, ist der groß, sind die Gene gut, ähm kann der uns gut versorgen im weitesten Sinne ist der ein starker Partner an meiner Seite? Also, das machen die Tiere in der Tierwelt nicht anders.

Ja. Und äh die männlichen Geschöpfe in der Tierwelt, so wie unter uns Menschen, die ähm gucken nicht immer, dass sie äh den stärksten und tollsten haben, wie wir das machen, sondern die haben den Trieb, ihr Erbgut möglichst breit zu streuen. So und das sind jetzt zwei Triebe, zwei evolutionsbiologische Urtriebe nenne ich jetzt mal, ja, dass wir Frauen immer den Anspruch haben, den stärksten, tollsten, größten V zu haben. Ja, für unseren Nestbau. Für unseren Nestbau. Genau. Und ähm auch uns da immer weiter sozusagen verbessern wollen. Das ist in uns drin. Ja. ähm weil eben viele Tiere ja nicht monogam leben. Die gehen dann zum nächsten größeren Rehbock, wenn da einer noch stärker und größer ist und noch symmetrischer gewachsen. Ja, das so ist die Natur einfach. Und genauso gehen eben auch äh viele männliche Tiere dann eben so vor, dass sie ständig ihre weiblichen Partner wechseln.

Und das passiert eben auch hier und da unter uns Menschen, dass äh Männer eben diesen Trieb haben, nicht unbedingt so lange bei einer Frau bleiben zu wollen, bzw. wenn sie es tun, ist es eine bewusste Entscheidung und dann müssen sie diesen Trieb so ein bisschen unterdrücken. Also verstehst du was ich meine? Da gibt’s diese zwei Triebe, diese zwei Bewegungen, die wir in uns haben. Und deshalb glaube ich, ist es heute besonders wichtig in unserer Gesellschaft, in der Anything Goes gefühlt, ja, dass wenn wir eine langfristige gesunde Beziehung haben wollen, dass wir Frauen dann auch sagen, okay, selbst wenn da jetzt noch ein größerer, stärkerer und und vorbeikommt, schönerer, reicherer, whatever, ich bleibe mit meinem Partner zusammen, weil ich weiß, was ich hier habe. Ja, also ich entscheide mich trotzdem für diese Beziehung, muss diesen Trieb, der in mir ist, dann vielleicht so ein bisschen ja unterdrücken oder sagen wir mal kontrollieren oder wie auch immer.

Genauso wie aber Männer auch ihren Trieb so ein bisschen unterdrücken müssen, dass sie ihr Erbgut äh möglichst breit streuen wollen. Ja, also ich glaube, das ist so ein bisschen eine Entscheidung für die Beziehung, für die Beziehung, für die monogame Beziehung, wo dann beide Mann wie auch Frau einfach sagen muss, okay, ich arbeite daran, dass es funktioniert. Genau. Ich sehe es aber tatsächlich auch so, dass diese Zeit, in der wir jetzt leben, eigentlich die größte Chance für unsere Beziehung ist. Ja, weil wir jetzt wirklich eine ehrliche, echte Partnerschaft auf Augenhöhe leben können und wir wissen, dass wir hier in so einem freien Land leben, dass der Partner, mit dem ich zusammen bin, der ist freiwillig mit mir zusammen. Der der ist freiwillig mit mir zusammen. Und genauso bin ich auch freiwillig mit ihm zusammen, weil wir müssen nicht zusammen sein.

Und ähm diese Bewusstheit, dass wir freiwillig zusammen sind, die macht schöner. Die macht’s schöner, die macht’s ehrlicher, die macht’s echter, die macht’s bewusster, die macht aber auch ein bisschen romantischer. Die macht’s vor allem auch romantischer. Auf jeden Fall bin ich ganz bei dir. Also das ähm ist für mich eher eine riesen riesen Chance. Also für mich so wie ich Beziehung verstehe und so wie ich Beziehung leben möchte, ist tatsächlich ähm diese diese Freiheit, die wir leben können in Beziehung ist für mich tatsächlich eine große Bereicherung für alle Beziehungen. Aber ich sag mal für die, die Beziehungen anders leben wollen, die sozusagen einfach ein Partner haben wollen und sich jetzt nicht auf Augenhöhe jeden Tag begegnen wollen, weil sie es zu anstrengend finden, die nicht wirklich immer in tiefe Konversationen gehen wollen, für die aus deren Sicht werden natürlich Beziehung durch Unabhängigkeit eher schwieriger.

Kommt drauf an, wie man sieht, wenn man jetzt dazu den passenden Partner findet, der auch sagt, du, ich muss nicht über tiefgründige Dinge mit mir reden, Hauptsache, wir gucken abends zusammen Fernsehen und haben unsere Ruhe und schenken uns Frieden, dann ist das auch völlig okay. Es müssen nur die richtigen zusammenkommen. Da hast du recht. Also, das ist ganz klar. Es gibt ja jetzt, ich weiß nicht, ob du es gesehen hast, diese Entwicklung, die kommt aus Amerika, Tradwife. Weißt du, was eine Tradwife ist? Tradwife, nee, also wie wird das geschrieben? TRAD kommt von traditional, eine traditionelle Frau und da wird in diesen Videos gezeigt, wie traditionelle Frauen eben das traditionelle Frauenbild leben, wie sie es schön machen zu Hause für ihren Mann, wenn der dann von der Arbeit nach Hause kommt, wie sie für ihn kochen, wie sie für ihn backen, wie sie sich dann auch schön für ihn machen, ja, und ihr ganzes Leben eben darauf ausrichten, dem Mann den Rücken freiuhalten.

Und ich muss sagen, ich sehe diese Videos, die sind dann sehr ähm sehr überspitzt dargestellt. Ja, weil ich glaube nicht, dass eine Frau dann wirklich so topgestyllt aussieht, wenn sie gebacken hat, gekocht hat, geputzt hat und dann den Mann irgendwie so topgestalt empfängt. Ja, ähm es ist überspitz dargestellt, aber die Message dahinter ist, dass es Frauen gibt, die freiwillig gerne dieses traditionelle Rollenbild leben. Und da muss ich sagen, das finde ich völlig in Ordnung. Also, da habe ich überhaupt gar nichts gegen. Wenn eine Frau sagt, das ist genau mein Ding und ich fühle mich wohl so und ich möchte mich um meinen Mann kümmern. Ich möchte ihm den Rücken freihalten, ich möchte für unsere Kinder da sein. Ist das für mich genauso okay wie eine Frau, die sagt, ich möchte Familie und Job. Das ist das Schöne, wie du sagst, everything goes und das ist das Schöne, dass wir alles machen können, uns entscheiden können und das ist der wahre Luxus, ohne irgendein Lebensmodell dabei zu verurteilen.

Absolut. Und man muss ja auch eins dazu sagen, Julia, ich kann mir vorstellen, dass es für viele Männer auch erleichtert erleichternd ist, dass wir Frauen jetzt diese Unabhängigkeit haben, die ja auch einen eigenen Verdienst und eine eigene Karriere und alles, was das mit sich bringt. Eine echte Unabhängigkeit hat ja viel mit Geld zu tun, die die überhaupt ermöglicht. Ja, weil Männer sind ja heutzutage oft auch gar nicht in der Lage. Also bzw. die die beruflichen Situationen sind ja oft gar nicht so geschaffen, dass ein Mann auch einfach eine Frau so mitfinanzieren kann. Also das ist ja gar nicht immer so möglich. Ja, absolut. Also von daher kann ich mir vorstellen, dass diese Unabhängigkeit, die viele Frauen jetzt leben, vor allem auch im Job, vor allem mit ihrer Selbstverwirklichung beruflich, es müsste ja eigentlich auch für viele Männer entlastend sein.

Ja, aber wie du weißt auch in unserem Umfeld, es gibt auch Männer, die sich ganz klar wünschen, eine Frau zu haben, die nicht arbeitet. Das gibt es auch. Das gibt es auch. Aber wie du sagst, du hast ja gerade diese Bewegung beschrieben. Trad women. Tradwife. Tradwife. Ja. Ja. Äh, also genau, wenn beide das wollen, das ist ja das Schöne. Nichts wird mehr verurteilt. Ja, alles geht. Also so ist es ja leider nicht. Kinder teilweise gehen ja sogar en auseinander, weil eben Frauen sagen, okay, meine Kinder sind jetzt aus dem gröbsten raus, jetzt möchte ich wieder arbeiten, jetzt möchte ich in die Berufswelt zurück und der Mann kommt mit dieser Entwicklung gar nicht klar, weil er sich so daran gewöhnt hat, dass die Frau zu Hause ist, dass sie sich um alles kümmert und dann sagt die Frau: „Das habe ich super gerne gemacht, aber jetzt möchte ich gerne arbeiten.“ Und dann gibt es Männer, die sagen: „Nee, ich habe mich da so dran gewöhnt.

Ich fand das sehr schön, so wie das ist. Ich möchte eigentlich auch, dass es so bleibt. Das gibt’s ja auch. Das ist ein ganz entscheidender Punkt, den du da ansprichst. Ja, den haben wir selber jetzt nicht erlebt, weil wir keine Kinder haben. Aber das ist natürlich ganz oft der Fall. Die Frau nimmt sich erstmal karrieretechnisch zurück, kümmert sich um die Kinder, dann sind die Kinder aus dem Gröbsten raus und die Frau sagt: „Okay, jetzt gebe ich wieder Gas, jetzt kann ich mich so ein bisschen wieder habe ich Kapazitäten für meine Selbstverwirklichung, bisschen selber Geld verdienen und da kommen dann viele Männer überhaupt nicht mit klar, warum ich auch gar nicht schlimm finde, weil ich kann das sogar kann das gut verstehen. Die haben das jahrelang anders gemacht und fanden das gut so und jetzt auf einmal soll sich alles ändern.“ Na ja, man muss ja, ich würde fast so weit gehen, Julia, diese Frau, mit der sie da die Familie haben und unter einem Dach leben, die verändert sich ja völlig.

Also das was du dann sozusagen änderst in deinem Leben, dass du jetzt deiner Selbstverwirklichung weiter nachgehst und deinem Job, das verändert dich zu so einem hohen Prozentanteil, ja, dass du wirklich ja von Jahr zu Jahr zu Jahr ein anderer Mensch und der Mann ja vielleicht gar nicht mehr weiß, ist es eigentlich noch die Frau, mit der ich eigentlich zusammen sein möchte? Ist das das Leben, was ich mir mit dieser Frau vorgestellt habe? Und da kommen wir wieder zurück zur Biologie. Die Frauen, wenn die quasi ihren Nestbau abgeschlossen haben und die Kinder sind quasi so ein bisschen flügge, dann können die sich schon sehr verändern auch von ihrem Harmoniegedanken, ne? Frauen sind ja in dieser Phase sehr harmonieorientiert, damit das Ganze überhaupt funktioniert mit Family, Mann und Kindern. Sie nehmen sich immer zurück. Nestbau, das ist in uns drin.

Das ist ein genau, damit das alles überhaupt funktioniert. Familie zusammenhalten und dann auf einmal sind die Kinder immer selbständiger und dann merkt man wieso eigene Bedürfnisse auf einmal wieder hochkommen. Lassen dann auch erst wieder die Hormone zu. So richtig. Genau. Ja. Und dann will man wieder arbeiten und der Mann weiß gar nicht, was los ist, weil der sich denkt, ist doch alles in Ordnung. Das stimmt Juliar. Es gibt das jetzt aber auch wieder andersrum und das ist diese Dualität des Lebens. Übrigens, das wollte ich nur noch mal anmerken. Also, es gibt eben Frauen, die dann sagen, ich will jetzt endlich wieder arbeiten, ich will jetzt endlich wieder mein eigenes Geld verdienen, ich will jetzt endlich wieder mein eigenes Ding machen. Gibt aber auch wiederum Frauen, die sagen, ich will gar nicht arbeiten, ich will, dass es so bleibt. Und dann sagen die Männer, ich möchte aber jetzt, dass du wieder arbeitest.

Finde ich überhaupt nicht okay, weil ich weiß, wie es Frauen verändert, wenn sie Mütter werden und dass sie sagen, ich möchte die Zeit mit meinen Kindern verbringen und möchte nicht arbeiten und möchte mich nicht zwischen Kind, Familie und Job zerreißen, was bei vielen Frauen die Realität ist. kann ich total verstehen und ich würde mir wünschen, dass jede Frau die Wahl hat. Das würde ich mir wünschen für die Frauen ist jetzt ein ganz schöner Wohlstandsgedanke, den du da hast. Wir leben hier im absoluten Saus und Braus. Ja, aber trotzdem gibt es glaube ich viele Situationen, wo es gar keine freiwillige Entscheidung ist, wo die Frau einfach wo man ein Doppeleinkommen für die Familie braucht. Ja. Ja, aber ich fand es gut, wenn man das vorher weiß, bevor man die Familie gründet. Wenn eine Frau weiß, okay, ich muss dann relativ schnell wieder arbeiten, dann weißt du, worauf du dich einlässt.

Aber so viele Frauen sind wirklich zerrissen zwischen Kindererziehung, Haushalt und Arbeiten. Da gebe ich dir absolut recht, Julia. Und das soll sollte man nicht zu romantisch darstellen. Also ich finde auch nicht nur vor einer Beziehung, vor allem auch vor einer Familiengründung sollte man so gewisse wichtige Punkte, wie man sich die Beziehung, wie man sich die Familie vorstellt, das Familienleben, das Miteinander, sollte man wirklich vorher besprechen, bevor man das Ganze dann wirklich auch aktiv angeht. Ja, ist man dann teilweise ein bisschen unromantisch. Würde ich aber tatsächlich jedem zu raten, sogar schon wenn du in eine neue Beziehung gehst, wie stellst du dir das eigentlich vor? Wo sind wir in einem Jahr? Wo wärst du gerne in einem Jahr? Wie möchtest du leben? Möchtest du eher in der Stadt leben oder auf dem Land? Möchtest du viel reisen oder weniger reisen?

Und und und. Das sind alles wichtige Punkte, die du klären musst. Nur dann, Julia, musst du auch flexibel bleiben, weil dann kommt das Leben dazwischen. Dann kommt das Leben. Das hat dann noch mal ganz andere Pläne. Aber wenn man grundsätzlich da schon mal gleich tickt und die gleiche Einstellung hat, dann kommen schon mal ein paar Probleme weniger, glaube ich, und ein paar Konflikte vor allem weniger. Ja, Julia, wir sind schon wieder am Ende. Ich finde dieses Thema so unglaublich facettenreich. Ich könnte da wirklich Abende drüber diskutieren, philosophieren. Grundsätzlich einfach bin ich so dankbar in dieser Zeit zu leben, wo wir uns wirklich in unserer Beziehung jeden Tag fürs Neue, jeden Tag aufs Neue für diesen Partner entscheiden können, wo ich mich morgen genauso gut entscheiden kann, ohne dass mich irgendjemand schräg anguckt. Ich habe mir überlegt, ich will doch lieber als Single leben.

Oder ich habe mir überlegt, ich möchte in einer WG mit einer Freundin leben. Also das das ist einfach toll. ähm, nichtsdestotrotz, glaube ich, manchmal ist es aber auch schön, sich mal zu committen und genau diesen Gedanken nicht mehr zu haben, ich kann morgen weg sein, sondern ich bin jetzt verheiratet und ich kann morgen nicht einfach so weg sein, denn ich bin verheiratet und das ist auch schön so. Also diese maximale Unverbindlichkeit sollte nicht das Ziel sein, weil das macht uns nicht glücklich. Ist schön, dass du sagst, ich kann morgen nach Australien auswandern, aber muss auch nicht sein, ne? Und ich bleibe hier, weil ich diese Partnerschaft leben will und in dieser Partnerschaft leben möchte. Ich meine nur in welcher Zeit wir leben, gibt uns einfach die Möglichkeit ganz andere Beziehung zu führen und da sind wir uns gar nicht so uneinig, wie wir uns sonst oft in anderen Themen uneinig sind.

Ich möchte auch eine verbindliche feste Partnerschaft fühlen. Vielleicht möchte ich auch noch mal heiraten. Ja, auch nicht ausgeschlossen. Und da legt man sich fest, das weißt du. Das weiß ich, das habe ich verstanden. Das habe ich Sollte man nicht die Scheidung schon einplanen? Nein, habe ich auch nicht. Werde ich auch nicht. Das ist ja das Schöne an der späten Hochzeit. Man weiß genau, was man tut und man weiß genau, auf was man achten sollte. Du bist festgelegt, hat viele, viele Vorteile, sich später für den Ehemann zu entscheiden. Man erspart sich oft die zweite Runde, ja, oder wie andere die dritte Runde, wenn man ganz früh, also könnte passieren, wie auch immer, manchmal kommt das Leben dazwischen, aber Julia, da sind wir uns gar nicht so uneinig. Ich möchte auch in einer festen, verbindlichen, gesunden Partnerschaft leben und würde gerne auch noch mal schön heiraten.

Schön. Und trotzdem finde ich schön in einer Gesellschaft zu leben, wo man so viele verschiedene Lebensformen leben kann. Ich auch und ich hoffe, dass das so bleibt und ähm dafür sollten wir alle einstehen, weil das ist ein riesen Privileg. Ich kenne kein anderes Land so auf Anhieb ähm wo Frauen so frei und selbstbestimmt leben können wie in Deutschland und dafür müssen wir kämpfen, dass das so bleibt. Schönes Schlusswort, ihr Lieben. Das war ein sehr schönes Gespräch, fand ich auch. Und ich freue mich auf den nächsten twintalk mit euch. Tschüss, macht’s gut. Tschüss.